Cabildo bezahlt 320.000€ für Netflixproduktion Reina del Flow am Strand von Morro Jable

Reina-del-Flow-Morro-Jable

Immer wieder betont die Inselregierung von Fuerteventura (Cabildo) die wirtschaftliche Bedeutung von Film- und Fernsehproduktionen. Die eigens eingerichtete „Fuerteventura Film Commission“ umwirbt Produktionsfirmen mit den Vorzügen, die die „Insel als natürliche Filmkulisse“ bietet, und lockt gleichzeitig mit den Steuervorteilen, die die Kanarischen Inseln für Filmproduktionen gewähren.

Bei großen Hollywood-Produktionen wie „Exodus: Götter & Könige“, „Wonder Woman“ oder „Solo, a Starwars Story“ wurde vorgerechnet, wie viele Millionen die Produktionen in die Wirtschaft Fuerteventuras pumpen, da nicht nur unzählige Hotelzimmer gebucht, Autos gemietet und Statisten angeheuert werden, sondern auch lokale Firmen beauftragt werden, Bühnen zu bauen und Produktionstechnik zu installieren.

Die jüngste „Superproduktion“, die auf Fuerteventura stattfand, waren Dreharbeiten für eine Folge der kolumbianische Netflixserie „Reina del Flow“ („Die Königin des Flow“) am 02. April 2025 am Strand von El Matorral in Morro Jable. Dabei handelt es sich um eine der bedeutendsten spanischsprachigen Netflixserien, die in zahlreichen anderen Sprachen synchronisiert wurde. Hinter der Netflixserie stehen die US-amerikanische Produktionsfirma Sony Pictures Television, Inc. und deren kolumbianische Tochter Teleset.

Tausende kostenlose „Fans“ statt bezahlte Statisten?

Für die Dreharbeiten brauchte man offensichtlich ein großes, gut besuchtes Konzert mit möglichst vielen Fans.

Da Statisten bei einer Filmproduktion in Spanien mit dem Mindestlohn entlohnt werden müssen, wären Szenen mit tausenden von Statisten sehr teuer und auch mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, denn jeder einzelne Vertrag müsste bei der Sozialversicherung angemeldet werden. Wenn es sich bei den Statisten um Minderjährige handelt, wird der bürokratische Aufwand noch größer.

Statisten erhalten auf Fuerteventura üblicherweise rund 50€ für einen halben und rund 100€ für einen ganzen Drehtag.

Als Lösung ist offensichtlich irgendjemand auf die Idee gekommen, die Dreharbeiten als Konzert „zu verkaufen“.

Tatsächlich hat das Cabildo das Konzert für 320.000€ „gekauft“ und mit einer Budgetposition des „Festival Fuerteventura Joven 2025“ bezahlt.

Der Vertrag, der öffentlich zugänglich ist, „umfasst sämtliche Kosten der künstlerischen Produktion, einschließlich Flügen, Unterkünften, lokalen Transfers, Tagespauschalen und Gagen sowie der für die ordnungsgemäße Durchführung der Veranstaltung erforderlichen Infrastruktur und Logistik – das heißt: Ton- und Lichttechnik, Bühne, Sicherheitsdienst, medizinische Betreuung und sonstige Infrastrukturen – für den musikalischen Auftritt des Künstlerensembles der Fernsehserie „LA REINA DEL FLOW“ am 2. April 2025 auf der Plaza de Los Pescadores in Morro Jable im Rahmen des Festivals Fuerteventura Joven 2025.“

Mit anderen Worten: Die Inselregierung hat der Produktionsfirma der erfolgreichsten spanischen Netflixserie praktisch sämtliche Kosten bezahlt, die eigentlich von der Produktionsfirma in die lokale Wirtschaft fließen sollten, und das Ganze als Jugendfestival deklariert. Kleines Detail am Rande: eigentlich sollte das Konzert bzw. die Dreharbeiten auf der Plaza de los Pescadores in Morro Jable stattfinden, wie dem Vertrag zu entnehmen ist.

Dabei machte die Produktionsfirma gar keinen Hehl daraus, dass es ihr in erster Linie um die Dreharbeiten ging. Schließlich wurde das Publikum aufgefordert, auf Kleidung mit erkennbaren Markenzeichen zu verzichten. Außerdem wurden die „Fans“ darauf hingewiesen, dass sie durch die bloße Anwesenheit der Produktionsfirma die Rechte an den Bildern einräumen.

Welcher wirtschaftliche Nutzen für Fuerteventura?

Eigentlich, so sollte man meinen, müsste Fuerteventura von Natur aus so attraktiv für Produktionsfirmen sein, dass diese bereit sind, Geld mitzubringen, damit sie hier auf einem Strand direkt neben einem Naturschutzgebiet drehen dürfen.

Umso mehr stellt sich die Frage, warum das Cabildo in diesem Fall der Produktionsfirma 320.000€ zahlen musste, um die Produktion auf die Insel zu holen?

Für die Produktionsfirma dürfte sich der Deal in jedem Fall gelohnt haben, denn man hat nicht nur „tausende“ von Statisten gratis bekommen, sondern auch noch kostenlose Flüge, Unterbringung, Bühnenbau etc.

Tatsächlich haben viele Medien über den Auftritt der „Reina del Flow“ auf Fuerteventura berichtet. Ein Werbeeffekt für Fuerteventura dürfte sich dadurch also tatsächlich ergeben haben. Die Frage, ob die Netflixserie dieselbe Zielgruppe anspricht, die Fuerteventura für das angestrebte nachhaltigere Tourismusmodell braucht, müssten wohl Marketing- und Tourimusfachleute beantworten.

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